Wir sind zurück, von einer Bank irgendwo im Berliner Kiez, mit zu wenig Brötchen im Vereinsheim, zu vielen Themen auf dem Tisch und ohne jegliche Vorbereitung wie immer.
Wir reden über die Reinickendorfer Füchse, ihren Aufstieg in die Berlin-Liga, über Sanel als Cheftrainer und Maik Haubitz im Hintergrund. Über Lichtenberg und Tasmania, die sich gegenseitig die Oberliga spannend halten, und über die Frage, wer dort eigentlich das stabilere Fundament hat. Wir reden über den BFV-Streit, der gerade durch Berlin zieht , Brandbriefe aus Frohnau, Olaf Jahn wechselt zu Viktoria, Spiele am grünen Tisch, und die ewige Frage, ab wann Eigenverantwortung eigentlich kein Argument mehr ist, sondern eine Erwartung.
Wir reden über Hertha und Union. Über Härtel, der nach Köpenick kommt, in einen Verein, der zur Restadt fremdelt. Über die Hertha U17, die unrühmlich gegen Karlsruhe ausscheidet und einen Trainer kostet, den die BZ am nächsten Tag öffentlich verbrennt. Und über die Hertha Frauen, die jetzt ins Olympiastadion einlaufen was uns freut und was uns gleichzeitig misstrauisch macht, weil dieser Aufstieg ins Stadion seltsamerweise genau dann politisch wird, wenn es bei den Männern bröckelt.
Wir reden über Frauenfußball in Berlin, der zwischen Aufbruch und Schaufenster pendelt über Eintracht Spandau, das oben anfängt statt unten, über Delay Sports, dem wir bei aller Skepsis die Emotion abnehmen, und über die alten Frauenvereine, denen niemand zuhört, wenn die neuen Namen lauter klingen. Wir reden über Baller League und Kings League als Wrestling-Bühnen, professionell produziert, gescriptet, und ohne die Reibung, die uns am echten Spiel hängenbleiben lässt.
Wir reden über das, was unten passiert. Borussia Pankow im Aufschwung. Internationale ohne Thomas was wird daraus? Tutonia Spandau mit dem Umkleideturm. Johannisthal samt Pinte. Eintracht Südring hat seinen Platz zurück und könnte explodieren. Und Kickers 1900, in dem wir den ganzen Schöneberger Wandel ablesen wie auf einer Karteikarte.
Wir reden über die Fußballwoche, deren Revival jetzt mit Crowdfunding kommt und über unsere Sorge, dass die Vereine in der Peripherie wieder nicht mitgenommen werden. Stern Britz, FC Grunewald, Teutonia, migrantische Vereine. Das ist nicht Nostalgie. Das ist die Frage, ob diese Wiederauferstehung wirklich für alle gilt oder wieder nur für die, die ohnehin schon mit am Tisch sitzen.
Und am Ende reden wir über die Hertha Mitgliederversammlung. Tausend Menschen. Drei Minuten Redezeit. Schweißperlen. Aaron Troschke, der seine eigene Agenda nicht verstecken konnte. Ein Aufsichtsrat, der nach zwanzig Jahren rasiert wurde. Und ein Wortwitz, der den Saal zerlegt hat „Marc Forster des Berliner Fußballs" der juristisch knapp an einer Unterlassungsklage vorbeischrammt. Wir nehmen mit, was wir mitnehmen sollen: Fußball ist eine Religion. Atheisten werden gesteinigt. Wer mit Demut hineingeht, bekommt einen Platz.
Hört rein. Schreibt zurück. Sagt uns, wo wir richtig oder falsch liegen.
Željko & Malte
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